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Lyrik - LebensReim - Gedichte - Altenheim


Altenheim

Ein wenig noch vor sich hin träumen,
ein wenig noch spüren, da ist immer noch Geist,
in diesem alten Körper.
Da sind immer noch Gedanken in diesem Kopf.

Die Augen wollen nicht mehr so richtig, eigentlich gar nicht.
Vielleicht wollen sie die Wirklichkeit nicht sehen?
Mit geschlossenen Augen ist die Wirklichkeit ausgesperrt.
Die Augen sehen was er will: Erinnerungen

Er ist schon lange wach,
nur nicht die Augen öffnen, festhalten das Bild.
Er kramt in dem Fotoalbum das sich Gedächtnis nennt.
Eine lachende junge Frau, seine Frau
lebendig in seinen Gedanken, als wenn es gestern gewesen wäre.

Landschaften ziehen an ihm vorüber.
Martha, komm, das Stückchen bergauf schaffst du noch, ich halte dich.
Er spürt die Kraft in seinen Händen.
Du bist müde, ich trage dich.
Er spürt die Kraft in seinen Armen.

Nur nicht die Augen öffnen - weiterträumen.
Martha und er - 50 Jahre sind eine lange Zeit.
Und doch so schnell vorbei.
Du bist nicht tot meine Martha, du bist nur vorausgegangen.
Ich komme bald nach. Vielleicht schon heute.

Dann werden meine Augen auch geschlossen sein.
Aber du weißt ja, dich sehe ich mit geschlossenen Augen,
weil ich dich fühle, dich spüre.
Und dann werde ich wieder Hans heißen.

Jetzt heiße ich Opa,
lächerlich, fremde Menschen sagen Opa zu mir.
Aber du wirst sagen: "Hans, mein Hans, wo warst du nur so lange"?
Und ich, ich werde meine Arme ausbreiten und dich festhalten,
festhalten bis in alle Ewigkeit.

- Andrea Lutz - (2002)

 





     
    Nicht alle meine Gedichte sind autobiografisch - auch wenn sie (teilweise) in der Ich-Form geschrieben sind.

Ich freue mich natürlich sehr, wenn Euch meine Gedichte gefallen. Und ganz besonders freue ich mich, wenn Ihr einen kurzen Kommentar dazu in meinem Gästebuch hinterlasst.
 
    ©andrea lutz 1999-2007